Zur Geschichte der Feuerwehr Zirl

Zirl wurde immer wieder von großen Brand- und Überschwemmungskatastrophen heimgesucht. Von 1608 bis 1908 brannte der Ort acht Mal fast zur Gänze nieder. Der Schloß- und der Ehnbach verwüsteten das Dorf neunmal. Im Jahr 1749 floß der Schloßbach acht Tage lang mitten durch den Ort, ehe er wieder in sein altes Bett gezwungen werden konnte. Felder und Fluren waren meterhoch mit Geröll verschüttet und es dauerte Jahre, den Schutt zu entfernen.

Daher lautet ein alter Zirler Spruch:
„Zirl ist achtmal verbrunnen und neunmal verrunnen“

Im Jahre 1876 gründete Johann Paul Gruber die Freiwillige Feuerwehr Zirl und stand von 1876 bis 1885 als Kommandant an der Spitze der Feuerwehr Zirl. Zu seinem Andenken hat die Marktgemeinde Zirl eine Straße, südlich des heutigen Feuerwehrhauses JOHANN-PAUL-GRUBER-WEG benannt. Im April 1877 berichteten die „Innsbrucker Nachrichten“ erstmals über die erste abgehaltene Übung der Feuerwehr Zirl und von dem darauffolgenden Gründungsfest.
Die damalige Ausrüstung war eine einfache Schiebeleiter, ein Satz Dachleitern, ein Wasserzubringer von Grassmayer und eine Spritze älterer Konstruktion.

Die Kommandanten der Feuerwehr Zirl:

1876 – 1885 Johann Paul Gruber
1885 – 1887 Franz Wiedenhofer
1887 – 1920 Franz Gastl
1920 – 1925 Josef Gredler
1626 – 1949 Vinzenz Niederkircher
1949 – 1973 Josef Scheiring (BFK 1961 – 1968)
1973 – 1993 Manfred Kaufmann (BFI 1974 – 1989 und AK Oberinntal II 1973 – 1987)
1993 – 2011 Robert Kaufmann
2011 – 2013 Christian Nocker
2013 – heute Arnold Lanziner

Der große Brand vom 21. Juni 1908:

An einem strahlend sonnigen Sonntag wurde Zirl von einem Jahrhundertbrand heim gesucht. Das Feuer brach in der heutigen Meilstraße aus. Dort ließen Schulbuben Knallfrösche springen und einer fiel ins dürre Reisig. Zirl ging zum achten-mal in seiner langen Geschichte in Flammen auf.
Zum Gedenken an den damaligen Brand wurde im Jahre 2008 eine Übung mit der Handdruckspitze der Feuerwehr Zirl aus dem Jahre 1894 durchgeführt. Symbolisch war Ort der Übung der Hof an dem das Feuer damals gestoppt werden konnte. Die angekohlte Holzwand sieht man heute noch.

1926

Im Jahre 1926 feierte die Freiwillige Feuerwehr Zirl ihren 50 Geburtstag. Zu diesem Anlass kaufte die Feuerwehr Zirl eine Magirusleiter mit 12 Meter Steighöhe. Dazu wurde ein Darlehen bei der Raiffeisenkasse aufgenommen, für das der damalige Kommandant und sein Stellvertreter als Bürgen auftreten mussten!
Im Protokoll der Ausschusssitzung vom April 1926 ist dazu vermerkt: Auf Grund dieser allgemeinen Anregung wurde heute dann einstimmig beschlossen, eine Magirusleiter von 12 Meter Länge zum Preis von ca. 1.400,- Schilling Nettopreis bei der Feuerwehrgerätefabrik in Ulm a.D. zu bestellen. Bei Bestellung der Leiter ist zu ersuchen, dass an die Leiter folgendes geschrieben wird: Angeschafft von der Freiw. Feuerwehr Zirl anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums. 1876 – 1926.

1928

Eine elektrische Alarmsirene wurde bei der Firma Swoboda in Wien bestellt, sie kostete inkl. Fracht und Montage 850,- Schilling und wurde am Kirchturm angebracht. Damit entfiel das „Sturmläuten“ der Kirchenglocken bei Feueralarm.

1929

Die Motorisierung hielt Einzug in der Feuerwehr Zirl. Eine Motorspritze Type 2a zum Preis von 6.200,- Schilling wurde bei der Firma Rosenbauer in Linz angekauft.

1938

Bei der Jahreshauptversammlung am 13. Februar 1938 wurde Bezirksfeuerwehrkommandant Roman Scheran und der langjährige Feuerwehrkommandant Vinzenz Niederkircher zum Ehrenmitglied der Feuerwehr Zirl ernannt.

1946

Am 3. Februar fand die erste Jahreshauptversammlung nach dem II. Weltkrieg statt. Viele Feuerwehrkameraden waren bereits heimgekehrt und hatten sich bei der Feuerwehr zurückgemeldet. Unter ihnen auch Franz Pittl. Er brachte einen Krankenwagen der Wehrmacht mit und übergab in der Feuerwehr Zirl, die das Fahrzeug notdürftig als Feuerwehrauto adaptierte.
Im selben Jahr wurde auf Anregung von Josef Neuner in Eigenhofen die selbstständige Löschgruppe mit 10 Mann aufgestellt.

1963

In diesem Jahr gelang ein Riesenschritt in der technischen Entwicklung der Feuerwehr Zirl. Um bei einem Brand rasch und ohne Zeitverzögerung helfen zu können, ist ein Tanklöschfahrzeug unerlässlich. Die finanziellen Mittel der Gemeinde erlaubten unter keinen Umständen den Ankauf eines solchen Löschfahrzeuges. So bauten 6 junge Feuerwehrkameraden in ca. 600 Arbeitsstunden auf einen gebrauchten LKW Tank und Pumpe auf. Das selbst gebaute Tanklöschfahrzeug bewährte sich in den kommenden 10 Jahren bei Bränden in Zirl und der näheren und weiteren Umgebung.

1968

Unter Bürgermeister Josef Steiner wurde im Jahr 1968 mit dem Bau eines neuen, zentral gelegenen Feuerwehrhauses begonnen. Das für die damaligen Verhältnisse großzügig projektierte Haus konnte bereits im September 1969 bezogen werden.

1970 – 1971

Im Jahre 1970 wurde vom Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck-Land ein Rüstfahrzeug bei der Feuerwehr Zirl stationiert. Somit wurde die Freiwillige Feuerwehr Zirl zur Stützpunktfeuerwehr.
Im darauf folgenden Jahr erhielt die Feuerwehr Zirl ein „schweres Löschfahrzeug“ als Ersatz für zwei noch aus Wehrmachtsbeständen stammende Einsatzfahrzeuge. Erstmals seit ihrem Bestand erhielt die Feuerwehr Zirl mit diesem Fahrzeug ein fabrikneues Feuerwehrauto.

1976

Die Freiwillige Feuerwehr Zirl feierte den 100. Geburtstag. Nach einer festlich gestalteten Jahreshauptversammlung am 28. März 1976, bei der zahlreiche Kameraden ausgezeichnet wurden, veranstaltete die Feuerwehr vom 9. Juli bis 11. Juli ein großes Zeltfest.

Als Höhepunkt konnte am 11. Juli 1976 ein „schweres Rüstfahrzeug“ und ein „Tanklöschfahrzeug“ mit 4000 Liter Wasser Vorrat eingeweiht werden.

1981

Im November 1981 wurde in der Feuerwehr Zirl die Jugendgruppe ins Leben gerufen.

1984

Mit dem Geld aus der Kameradschaftskassa kaufte die Feuerwehr eine gebrauchte Drehleiter mit 25 Meter Länge von der Feuerwehr Mittenwald. Dieses Fahrzeug ersetzte die alte handbetrieben Leiter mit 18 Meter Steighöhe.

1985

Am 11. Juli 1985 stürzte ein Reisebus, nachdem er mehrere Autos gerammt hatte, am Zirler Berg bei der Linserkurve in den Wald. Zur Rettung der über 40 Verletzten wurden damals von der Feuerwehr Zirl die Feuerwehr Kematen, die Rettungen aus Zirl, Seefeld, Innsbruck, Telfs und der Arbeitersamariterbund Zirl sowie zwei Hubschrauber zur Unterstützung angefordert. Nach nur 30 Minuten war der letzte Verletzte aus dem Bus gerettet und nach einer weiteren Stunde waren alle Verunglückten ärztlich versorgt. Leider kam für zwei Personen jede Hilfe zu spät, sie verstarben noch an der Unfallstelle.
Dieser Unfall war von einem sehr großen Medieninteresse begleitet und hat sicher dazu beigetragen, dass in der Folge die Bremswege am Zirlerberg in ihrer heutigen Form ausgebaut wurden.

1986

Eine „hörbare“ Veränderung im Alarmsystem wurde 1986 eingeführt. Der Feuerwehrnotruf 122 wurde an den Tag und Nacht besetzten Gendarmerieposten Kematen angeschlossen. Alle Feuerwehrmänner von Zirl werden seit diesem Tag über die Personenrufempfänger, sogenannte „Piepser“ still alarmiert. Die Sirene ertönt nur mehr bei Ausfall der Stillen Alarmierung, bei Katastrophenalarm und jeden Samstagmittag als Probealarm.

1995

Schon seit einiger Zeit dachte man im Kommando der Feuerwehr Zirl über eine Erweiterung des Feuerwehrhauses nach. Die Fahrzeuge waren hintereinander abgestellt und für viele Einsatzmittel und Geräte war einfach zu wenig Platz vorhanden. Ing. Michael Perfler erklärte sich spontan bereit die gesamte Planungsarbeit im Wert von 800.000,- Schilling für einen Umbau des Feuerwehrhauses kostenlos durchzuführen. Mitte des Jahres 1994 wurde die Planungsphase abgeschlossen und der Umbau im Gemeinderat beschlossen.
Der Umbau des Gerätehauses begann am 24. April 1995. Um die Kosten für die Allgemeinheit so gering wie möglich zu halten, leisteten die Mitglieder der Feuerwehr Zirl ca. 2000 unbezahlte Arbeitsstunden. Der Abbruch der alten Fahrzeughalle wurde fast zur Gänze von Feuerwehrmännern durchgeführt.
Die Koordination auf der Baustelle übernahm der ehemalige Kommandant Manfred Kaufmann, der in seiner soeben angetretenen Pension mit Argusaugen darüber wachte, dass alles richtig gemacht wurde. Als krönender Abschluss konnte am 7. und 8. Juli der, unter Anleitung unseres Feuerwehrkameraden Heinrich Schneider, komplett in Eigenregie erstellte Dachstuhl, fertig gestellt werden.
Bereits am 20. November 1995 konnte das Feuerwehrhaus wieder bezogen werden.

1999

Die gebrauchte Drehleiter, welche im Jahre 1984 angekauft wurde, konnte durch eine fabrikneue Magirus Drehleiter mit 25 Meter Höhe ausgetauscht werden. Mit dem Ankauf dieses Fahrzeuges wurde die Erneuerung des doch schon sehr alten Fuhrparks in die Wege geleitet werden.